Der Mondstein und das Geheimnis seines Leuchtens
Mondstein ist einer der Geburtssteine des Monats Juni. Er ist ein Schmuckstein, der Menschen überall auf der Welt begeistert und fasziniert, unter anderem wegen seines speziellen optischen Phänomens. Der auch als Adular bekannte Schmuckstein inspirierte bekannte Schmuckkünstler wie René Lalique im Jugendstil, fand durch die Zeit immer wieder Begeisterte und war der Menschheit schon relativ früh bekannt. Im Metropolitain Museum of Art, New York, kann man einige antike Schmuckstücke bewundern, die mit Mondstein besetzt sind. In der Sammlung findet sich zum Beispiel eine Brosche mit Mondstein aus China, entstanden zwischen 960-1279, oder einer Scheibenfibel mit Mondstein aus Deutschland, die aus dem 7. Jahrhundert stammt.
Feldspatgruppe
Mondstein gehört zur Gruppe der Feldspate, beziehungsweise zur Untergruppe der Kalifeldspate und ist eine Varietät des Orthoklas.
Feldspat ist die am häufigsten im Erdmantel vorkommende Mineralgruppe - was auch der Grund ist, warum Mondstein an vielen Orten gefunden werden kann. Zudem ist die Feldspatgruppe sehr divers. Alle Feldspate bestehen als Basis aus Aluminium, Sauerstoff und Silikon. Aber auch Elemente wie Kalium, Kalzium oder Natrium können sich im Mix finden. Feldspate bilden komplexe Mischkristallreihen. Die spezielle chemische Zusammensetzung bestimmt das Aussehen und die Zuordnung zu den Feldspat Untergruppen bzw. Varietäten wie zum Beispiel Orthoklas, Oligoklas, Labradorit oder Mikroklin. Zur Feldspatgruppe gehören neben dem Mondstein, unter anderem Schmucksteine wie gelber Orthoklas, Labradorit, der türkise Amazonit oder der funkelnd rötliche Sonnenstein.
Mondstein und Adulareszenz
Mondstein gehört wohl zu den bekanntesten Mitgliedern der Feldspatgruppe. Er fasziniert mit einem optischen Phänomen das auch als Adulareszenz beziehungsweise Adularisieren bekannt ist. Adulareszenz beschreibt einen sanften, schimmernden, oft bläulichen Lichtschein, der bei Bewegung über die Oberfläche des Mondsteins zu gleiten scheint. Dieses bläuliche oder weißliche, sanfte Schillern ist sicher einer der Gründe, warum Mondstein Menschen schon so lange fasziniert, erinnert es viele an den Mondschein, der durch die Wolken bricht, oder an Mondlicht, das sich auf dem Wasser spiegelt. Besonders attraktiv wirkt Mondstein in Bewegung, er scheint in guter Qualität von sich aus zu leuchten.
Das Auftreten dieses faszinierenden optischen Phänomens verdankt der Mondstein seiner besonderen Struktur. Er besteht hauptsächlich aus einer Mischung der Feldspat-Mineralien Orthoklas und Albit. Während seiner natürlichen Entstehung sind diese Mineralien im Schmelzzustand zunächst homogen miteinander vermischt. Beim langsamen Abkühlen des Minerals trennen sich die beiden Hauptbestandteile jedoch voneinander und bilden feine, abwechselnd angeordnete Schichten. Diese Struktur nennt man auch oft Lamellen.
Trifft Licht auf diese feinen Schichten, wird es in verschiedene Richtungen gestreut. Diese Lichtstreuung ist für das charakteristische optische Phänomen verantwortlich, das an wanderndes Licht beziehungsweise Mondschein erinnert. Das ansprechende Schillern kann sowohl bläulich als auch weißlich sein.
Die vier C des Mondsteins
Am attraktivsten bzw. am gefragtesten ist Mondstein, der farblos und möglichst durchsichtig ist, keine oder nur wenig Einschlüsse hat, und eine intensives bläuliches Schillern aufweist. Je nach Fundort gibt es Mondsteine mit verschiedenen Körperfarben und Qualitäten.
Spannungsrisse, wie die für Mondstein typischen sogenannten Tausendfüßler, können sich mindernd auf die Adulareszenz auswirken.
Mondstein wird meist als Cabochon geschliffen. Man findet ihn aber auch als Sugar Loaf Cut und inzwischen auch häufiger facettiert. Das Facettieren von Mondstein kann Einschlüsse verstecken und seine Brillanz erhöhen. Hier ergibt sich zudem ein interessantes Spiel mit der Adulareszenz. Weiters gibt es Schmucksteinkugeln aus Mondstein. Gerne wird der Schmuckstein, wegen seiner geringen Härte, auch plastisch als Camée geschnitten. Hier kann man durch das Spiel mit dem Schillern zudem spannende Effekte erzielen, die den plastischen Eindruck noch verstärken.
Mondstein ist ein relativ günstiger Schmuckstein. Je größer der Adular in attraktiver Qualität, umso seltener bzw. teurer ist er.
Fundorte und Farben
Der gefragte klassisch-durchsichtige Mondstein mit blauer Adulareszenz stammt häufig aus Sri Lanka. Mondsteine aus Indien können undurchsichtig bis durchscheinend sein und in den Farben grünlich, bräunlich, rötlich, bis orange oder grau vorkommen. Gelegentlich findet man in Indien sogar Exemplare in rosa oder gelbliche Schattierung. Zudem werden dort auch Mondsteine mit Katzenaugen Effekt und sehr selten, mit Sterneffekt gefunden. Andere Fundorte, die kommerziell weniger bedeutend sind, befinden sich unter anderem in Tansania, Brasilien, Australien, Madagaskar, Myanmar, USA, Schweiz oder Österreich.
Je nach Fundort ist die chemische Zusammensetzung des Schmucksteins etwas anders, was ihre unterschiedlichen Farben und Eigenschaften erklärt. Je höher zum Beispiel der Albit-Anteil in einem Mondstein, umso trüber ist er.
Mondstein aus Österreich
In Österreich kann man Mondstein sowohl in der Wachau, in Niederösterreich, als auch im Zillertal, in Tirol, finden. Die Vorkommen auf dem Mörchnerkar, im Zillertal sind besonders interessant, vor allem für Sammler.
Nur äußerst selten weisen die dort gefunden Mondsteine ein außergewöhnliches optisches Phänomen auf. Laut einer Schätzung des Wiener Edelsteinzentrums betrifft das weniger als 2 % der auf dem Mörchnerkar gefunden Exemplare. Bei optimalem Schliff zeigt eine Hälfte des entsprechende Tiroler Mondsteins die begehrte bläuliche Adulareszenz, während die andere Seite des Steins kristallklar beziehungsweise nahezu wasserklar erscheint. Wird der Stein leicht gekippt, wandert das bläuliche Schillern auf die gegenüberliegende Seite. Vermutlich beruht dieser Effekt, laut Wiener Edelsteinzentrum, auf einer 180°-Umkehr der Zwillingsrichtung der Lamellen. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand wurde dieses bemerkenswerte Phänomen bislang ausschließlich bei Mondsteinen aus dem Zillertal beobachtet.
Adulareszenz vs. Labradoreszenz
Der Mondstein kann leicht mit einem seiner Feldspatgruppen-Mitglieder verwechselt werden, dem Labradorit.
Labradorit- Feldspat zeigt oft ein ähnliches optisches Phänomen, das man Labradoreszenz nennt. Hier handelt es sich allerdings um ein meist buntes, teils metallisches, farbintensiveres Schillern, das flächig auftritt. Im Vergleich zum Mondstein, bei dem das sanfte Licht bei Bewegung über den Stein zu schweben scheint, ist das Labradorisieren mehr ein buntes flächiges Aufblitzen, so man den Stein im richtigen Winkel hält. In anderen Winkeln bleibt der Labradorit dunkel beziehungsweise ohne Farbspiel.
Bei dem im Handel als Regenbogen- Mondstein verkauften Schmuckstein handelt es eigentlich um einen weißen beziehungsweise farblosen Labradorit der eine bläuliche Adulareszenz gepaart mit einer metallisch-bunten Labradoreszenz zeigt.
Mondstein kann gemmologisch leicht von Labradorit unterscheiden werden, da physikalischen Eigenschaften wie Lichtbrechung oder Härte voneinander abweichen.
Faszination Mondstein
Der Mondstein ist weltweit seit Jahrhunderten beliebt. Über die Zeit hinweg entwickelten sich Mythen und Legenden rund um den Stein. Man glaubte zum Beispiel, dass das Leuchten des Mondsteins mit Vollmond zunähme. Eine Assoziation, die nicht bewiesen werden konnte.
Man schrieb ihm weiters viele positiven Eigenschaften zu, wie zum Beispiel Ausgeglichenheit und Harmonie, Glück und Schutz auf Reisen oder Unterstützung bei Liebe und Partnerschaft. In einigen Kulturen wird der Mondstein mit Weiblichkeit und Fruchtbarkeit und dem Mondzyklus in Verbindung gebracht.
Unabhängig von den mit ihm zugeschrieben Eigenschaften, ist Mondstein ein beliebter und attraktiver Schmuckstein, der Schmuckstücke mit seiner simplen Eleganz aufwertet, ihnen aber auch ein gewisses Understatement verleiht.
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